Die Bedeutung der Lymphozyten bei einer allogenen Stammzelltransplantation
Bei einer Stammzelltransplantation (d.h. der Transplantation einesImmunsystems) sind die Lymphozyten also in vielerlei Hinsicht vonBedeutung.
Abstoßung
Die Lymphozyten des Kindes können die transplantierten Stammzellen als „fremd" erkennen und abstoßen. Um eine Abstoßung zu verhindern, müssen die Lymphozyten des Kindes vor der Transplantation beseitigt oder geschwächt werden. Das wird durch die sogenannte Konditionierung erreicht.
Graft versus Host Erkrankung
Sind die transplantierten Stammzellen des Spenders angewachsen und beginnen neue Zellen zu produzieren, können die Lymphozyten des Spenders das Kind als „fremd“ erkennen und bekämpfen. Das nennt man eine Graft versus Host (Gast gegen Wirt) Erkrankung. Mit bestimmten Medikamenten kann man in einem solchen Fall die Lymphozyten des Spenders schwächen, bis sie sich an das Kind gewöhnt haben.
Bekämpfung einer Leukämie
Die Lymphozyten des Spenders können bösartige Zellen als „böse“ erkennen und bekämpfen. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum Leukämien, die mit Chemotherapie alleine nicht heilbar sind, mit einer Stammzell-Transplantation von einem gesunden Spender dauerhaft geheilt werden können. Bei manchen Leukämie-Arten ist es möglich, einen Rückfall nach einer Stammzelltransplantation mit der Gabe von Spender-Lymphozyten zu verhindern oder zu behandeln.
Virusinfektionen
Im Rahmen einer Transplantation muss das Kind für lange Zeit ohne funktionierende Lymphozyten leben:
● seine eigenen Lymphozyten werden beseitigt, um eine Abstoßung zu verhindern
● wenn mit den Stammzellen des Spenders nur wenige Lymphozyten transplantiert werden (bei nicht übereinstimmen-den HLA-Merkmalen), kann es bis zu 150 Tage dauern, bis die ersten Spender-Lymphozyten gebildet werden
● beim Auftreten einer Graft versus Host Erkrankung müssen die neugebildeten Lymphozyten geschwächt werden
● bis die neugebildeten Lymphozyten ausreichend „gelernt“ haben, kann es bis zu einem Jahr dauern.
Das heißt, dass jedes Kind während und nach einer allogenen Stammzelltransplantation gefährdet ist, an sonst harmlosen Viren schwer zu erkranken. Wie schwer diese Abwehrschwäche ist und wie lange sie dauert, hängt von der Anzahl der Spender-Lymphozyten ab, die mit den Stammzellen transplantiert würden und davon, ob es zu einer Graft versus Host Erkrankung kommt.
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